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SPZ Akademie: Wir pflegen Wissen #1

Wie Lars Möhring der Demenz den Schrecken nimmt

Seit Juni 2022 veröffentlichen wir einmal im Monat einen Artikel bei dem brandenburger Stadtnachrichtendienst Meetingpoint über Themen rund um unsere SPZ Akademie. Den Anfang macht Lars Möhring - der Mann, der der Demenz den Schrecken nimmt.

Hier geht's zum Artikel bei Meetingpoint.

 

Spätestens seit der deutschen Tragikkomödie „Honig im Kopf“ 2014 ist das Thema Demenz stärker in den Fokus gerückt. Das hat Lars Möhring erfreut festgestellt. Auch „wenn nicht alles richtig ist“ was der Streifen mit Dieter Hallervorden vermittelt, ist der Dozent für Gerontopyschiatrie dankbar dafür, dass Demenz nun eine breitere Aufmerksamkeit erfährt. Zumal die Anzahl an jüngeren Menschen, die daran erkranken, deutlich zunimmt. Lars Möhring vermittelt unter anderem an der SPZ Akademie Grundlagen über Demenz sowie zum Umgang mit Erkrankten. Hier gilt er als Dozent, der ohne großen technischen Zauber die Teilnehmer in den Bann ziehen kann. Ihm gelingt es, dem zunächst schwer wirkenden Thema den Schrecken zu nehmen, Vorbehalte abzubauen und eine liebevolle Leichtigkeit im Umgang zu vermitteln.
18 Jahre lang ist der Potsdamer Lars Möhring schon als Dozent für Gerontopsychiatrie sowie Coach im Bereich der Altenhilfe unterwegs. Bereits Ende der 1980er Jahre begann seine Laufbahn im Sozial- und Pflegebereich, bevor er sich 2004 vor allem auf die Demenz spezialisierte. Unter anderem ist der Experte Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg.
 
Ihm ist wichtig, Demenz nicht als Krankheit, sondern als eine andere Form des Lebens zu sehen, ihre Vielschichtigkeit zu betrachten. „Lebensumfeld, Biographie, soziale Einflüsse, Erfahrungen einer Generation, Sprache, kulturelle Einflüsse, Milieu und mehr können zu einem anderen Leben führen. Das hat mich sehr interessiert“, sagt Lars Möhring.
 
Dass die Lebensumstände Einfluss auf dementielle Erkrankungen haben, ist auch an der zunehmenden Anzahl jüngerer Menschen ab 50 Jahren zu sehen, bei denen eine Alzheimerdemenz diagnostiziert wird. Stress und Überforderung sind hier oftmals Gründe, betroffen häufiger Frauen, ebenso Akademiker in Bildungs- oder Gesundheitsberufen, berichtet Lars Möhring.
 
Dabei ist nicht jede fehlende Erinnerung – vor allem im höheren Alter – mit Demenz gleichzusetzen. Doch wenn sich bestimmte Warnsignale häufen, ist Aufmerksamkeit angezeigt. Erste wesentliche Anzeichen ist neben situativer Vergesslichkeit etwa die Orientierungslosigkeit. Gedanken werden wiederholt, Worte vergessen, Alltagssituationen falsch eingeschätzt. Der Erkrankte zieht sich aus dem sozialen Leben zurück, zeigt eine allgemeine Antriebslosigkeit sowie häufige Wechsel in Stimmungen und Verhalten.
 
„Die Besonderheiten des Verhaltens können sich zuweilen zu Absonderlichkeiten entwickeln“, führt Lars Möhring aus. Er sagt: „Wir dürfen uns dem nicht entgegenstellen, nichts hinterfragen, sondern müssen begleitend der „beste Freund“ für diese Situation, der alleinige Vertraute werden. Es gilt der Grundsatz: Alles, was der Erkrankte erlebt, reflektiert er auf seine eigene Weise, er möchte in all seinem Handeln bestätigt und nicht korrigiert werden“.
 
Hochachtung, Gelassenheit, Akzeptanz, Freundlichkeit und Humor sind leitend im Umgang mit dem Patienten. Am besten wird „mit Liebe“ reagiert, fasst der Experte dies zusammen. „Auch Mitarbeiter müssen „Liebende“ sein“, sagt er. „Sonst gelingt die Arbeit nicht.“
 
„Die wichtigste Aufgabe – eine liebevolle Begleitung und akzeptierende Wertschätzung zu vermitteln – glückt nur, wenn Mitarbeiter und Angehörige sich ihrer Rolle bewusst, mit sich selbst im Reinen sind“, sagt er. „Nichts darf künstlich sein“, macht Lars Möhring klar. Kein Erkrankter lässt sich mit einem „Dienstleistungslächeln“ abspeisen, wie er weiß.
 
Mitarbeiter*innen aus der Pflege und Betreuung, aber auch an Interessierte, die ihr Wissen zum Krankheitsbild Demenz erweitern möchten, finden in Lars Möhring den richtigen Ansprechpartner. In seinen Seminaren will er die Teilnehmenden für das Thema begeistern, sie in ihrem Handeln bestärken und Veränderungen, aber auch Grenzen und Verantwortlichkeiten aufzeigen.
 
Hier einige Termine:
Stärkungskurs Demenz: 12. / 13.09.2022, 9 bis 16 Uhr, Quartier Martha Piter - Schulungsraum
16. / 17.01.2023, 9 bis 16 Uhr, Quartier Clara Zetkin - Schulungsraum
Gerontopsychiatrischer Grundkurs: 6.-8.03.2023 (Teil 1), 20.-21. März 2023 (Teil 2)

Die SPZ Akademie wurde 2018 gegründet, um ein individuelles und breitgefächertes Bildungsangebot zu schaffen. Davon sollen Pflege(fach-)kräfte, Azubis, Führungskräfte und alle in Pflegeeinrichtungen arbeitenden Berufsgruppen profitieren. Schwerpunktthemen sind zum einen Pflege, Demenz und Praxisanleitung, zum anderen vermitteln wir in unseren Seminaren Kompetenzen in der Kommunikation, Führung und im Stressmanagement. So erlangen Sie fachspezifisches Knowhow und arbeitserleichternde Fertigkeiten, mit denen Sie selbstbewusst Ihren Berufsalltag meistern! Mehr zu unserem Angebot unter [www.spz-akademie.de].
Text/Foto: Antje Preuschoff

 

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